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Montag, 11. Mai 2009

Der verlorene Sohn

Das allein versichert und beweist ihre doppelzüngige, modernistische und liberale Sprache und macht ihre Falschheit und ihren Verrat deutlich. Von P. Basilio Méramo, ehemaliger Distriktoberer der Priesterbruderschaft St. Pius X. für Mexiko.

Der Brief an die Bischöfe macht es deutlich

In seinem Brief an die Bischöfe vom 10. März 2009 schrieb Benedikt XVI. in einer Anspielung an den „Nachlass“ der Exkommunikation von einer Geste des guten und väterlichen Willens, den „verlorenen Sohn“ – die vier Bischöfe der Bruderschaft – zur Rückkehr einzuladen.

Anschließend erinnerte er auch klar und ausdrücklich daran, dass die vier Bischöfe „kein rechtmäßiges Amt in der Kirche ausüben“, nachdem sie weder eine Beauftragung, noch einen kanonischen Status haben und daher a divinis suspendiert sind, bis ihre Situation durch die Annahme des II. Vatikanischen Konzils infolge der lehrmäßigen Diskussionen legalisiert wird.

Sich und andere täuschen

Benedikt XVI. hat sich auf diese Weise ausgedrückt: „Damit soll deutlich werden, dass die jetzt zu behandelnden Probleme wesentlich doktrineller Natur sind, vor allem die Annahme des II. Vatikanischen Konzils und des nachkonziliaren Lehramts der Päpste betreffen. (…) Man kann die Lehrautorität der Kirche nicht im Jahr 1962 einfrieren - das muss der Bruderschaft ganz klar sein.

Hier erscheint klar das Ziel des modernistischen und apostatischen Rom, während Sie [Bischof Fellay] und die anderen drei Bischöfe uns sagen, dass Sie [vier] nach Rom gehen, um die Wahrheit zu predigen, zu Bekehren etc. Das heißt, sich und andere zu täuschen und alle für dumm und naiv zu halten […].

Der Gipfel ist, dass Sie selbst das bestätigen, indem Sie nahezu dieselben Worte von Benedikt XVI. verwenden: „Weit entfernt davon, die Tradition im Jahr 1962 anhalten zu wollen, möchten wir dieses II. Vatikanische Konzil (…)“ (Brief vom 12. März 2009).

Mit diesem Brief antworten Sie prompt der Mitteilung von Benedikt XVI. […]. Das allein versichert und beweist – verzeihen Sie mir, Exzellenz – Ihre doppelzüngige, modernistische und liberale Sprache und macht Ihre Falschheit und Ihren Verrat deutlich.

SANCTE MARCELLE, ORA PRO NOBIS!

Donnerstag, 7. Mai 2009

Wie viele Heilswege gibt es?

Erzbischof Lefebvre sagte, dass dieses ein schismatisches Konzil war. Von P. Basilio Méramo, ehemaliger Distriktoberer der Priesterbruderschaft St. Pius X. für Mexiko.

Darum ging der damalige Kardinal Ratzinger und heutige Benedikt XVI, auch so weit, die anderen, falschen Religionen, als außerordentliche Heilswege zu bezeichnen, wie man es in diesem stilistisch konservativen, aber zutiefst häretischen und heimtückischen Text lesen kann:

„…man gelangte dazu, einen exzessiven Nachdruck auf den Wert der nichtchristlichen Religionen zu legen, so sehr, dass mancher Theologe begonnen hat, außerordentliche Heilswege als ordentliche Heilswege zu präsentieren.“ (Bericht über den Glauben. Interview mit Vittorio Messori. Madrid 1985. Letzte Seite).

Eine neue Kirche

Dazu nahm Erzbischof Lefebvre zu Kenntnis: „Dieses Konzil repräsentiert, sowohl in den Augen der römischen Autoritäten als auch in den unseren, eine neue Kirche, die sie an anderer Stelle „konziliare Kirche“ nennen.“ (a.a.O. S. 97).

Erzbischof Lefebvre sagte, dass dieses ein schismatisches Konzil war; wenn Sie [Bischof Fellay] davon 95 % annehmen, heißt das, dass Sie zu 95 % schismatisch sind; ein hervorragendes Niveau.

Zitieren wir den Text [des Erzbischofs]: „Wir glauben, indem wir uns an die interne und externe Kritik des II. Vatikanums halten, also die Texte analysieren und die Besonderheiten dieses Konzils zu studieren, sagen zu können, dass dieses ein schismatisches Konzil ist, da es der Tradition den Rücken zukehrt und mit der Kirche der Vergangenheit bricht.

Einen Baum beurteilt man nach seinen Früchten.“ (a.a.O. S. 97).

50, 75 oder 95 % Konzil?

So akzeptieren Sie in paradoxer und absurder Weise 95 % der neuen postkonziliaren, häretischen und apostatischen Kirche:

Wie wollen Sie sich, zu 95 % häretisch und apostatisch – kein schlechter Prozentsatz, noch einen treuen und würdigen Nachfolger Erzbischof Lefebvres nennen? Wenn das nicht Falschheit und Verrat ist, wie soll man es dann nennen?

Nächstes Mal: Die offizielle Anerkennung

SANCTE MARCELLE, ORA PRO NOBIS!

Dienstag, 5. Mai 2009

Klar häretisch

Dies alles ist natürlich klar häretisch, es ist furchtbar, aber es ist so. Von P. Basilio Méramo, ehemaliger Distriktoberer der Priesterbruderschaft St. Pius X. für Mexiko.

Die modernistische Häresie forderte eine verwandelnde und heterodoxe Evolution des katholischen Dogmas.

Kein Lehramt?

Eine Evolution, wie sie in etwa von Benedikt XVI. vertreten wird, der noch als Kardinal in Zweifel zog, „dass es ein immerwährendes und definitives Lehramt in der Kirche gebe“, ein Aspekt, über den Erzbischof Lefebvre in einem seiner letzten geistlichen Vorträge am 8. und 9. Februar 1991 in Ecône bemerkte:

„Es existiert jetzt keine bleibende Wahrheit in der Kirche mehr. Die Wahrheit des Glaubens und folglich auch die Dogmen sind verschwunden; es ist etwas Radikales. Dies alles ist natürlich klar häretisch, es ist furchtbar, aber es ist so.“

Wo die Liebe hinfällt...

Heute hingegen ist Benedikt XVI. für Sie [Bischof Fellay] „großzügig“, „mutig“, „väterlich“, er erweckt bei Ihnen Vertrauen, er ist konservativ, obschon er von den Ultra-Progressisten für seine Sympathie für die Tradition kritisiert wird, kurzum, er ist fast ein Traditionalist, vor dem Sie „fast“ nach Rom laufen um ihn naiv zu bewundern, wie es aus dem Lächeln auf einigen Fotos hervorgeht, die während eines Interviews gemacht wurden, wobei auch Kardinal Castrillón Hoyos dabei war.

Diese Fotos [sind für mich] ein Beweis für Ihr unvorhersehbares und kompromissbereites Vorgehen.

Keine Kompromisse

Erzbischof Lefebvre beklagte den Nichtangriffspakt zwischen der Kirche und der Freimaurerei, und Sie sind bereit einen Kompromiss zu schließen.

„Ein Nichtangriffspakt wurde zwischen der Kirche und der Freimaurerei geschlossen“, verborgen hinter den Begriffen „Aggiornamento“, „Öffnung zur Welt“, „Ökumenismus“.

„Ab jetzt akzeptiert es die Kirche, nicht mehr die einzige wahre Religion zu sein und das einzige Mittel zum ewigen Heil.“ (Ein Bischof spricht, S. 97)

Nächstes Mal: Wie viele Heilswege gibt es?

SANCTE MARCELLE, ORA PRO NOBIS.

Freitag, 1. Mai 2009

95 % Revolution

Es ist also klar und evident, dass jeder, der das II. Vatikanische Konzil zu 95 % bewahrt oder annimmt, zu 95 % die Französische Revolution in der Kirche annimmt. Von P. Basilio Méramo, ehemaliger Distriktoberer der Priesterbruderschaft St. Pius X. für Mexiko.

Wie ist es möglich, ohne liberal und modernistisch zu sein, das anzunehmen, was Sie selbst vor acht Jahren (in einem Interview gegenüber der Walliser Tageszeitung „La Liberté“ vom 11. Mai 2001, veröffentlicht auch in DICI Nr. 8 vom 18. Mai 2001) erklärten: „Wir erkennen das II. Vatikanische Konzil zu 95 % an”, wenn sogar die Liberalen und Modernisten selbst anerkennen, dass das II. Vatikanische Konzil, wie Kardinal Suenens sagte „das 1789 der Kirche“, also die Französischen Revolution von 1789 im Inneren der Kirche war, oder auch, wie der damalige Kardinal Ratzinger und heutige Papst Benedikt XVI. sagte: „Das Problem des Konzils ist es gewesen, die Werte von zweihundert Jahren liberaler Kultur zu assimilieren.“ (Erzbischof Lefebvre, Sie haben Ihn entthront, Einleitung).

Die Revolution in der Kirche annehmen?

Es ist also klar und evident, dass jeder, der das II. Vatikanische Konzil zu 95 % bewahrt oder annimmt, zu 95 % die Französische Revolution in der Kirche annimmt und in ihrem Inneren die Werte von zweihundert Jahren liberaler Kultur assimiliert. Unter einem statistischen und mathematischen Gesichtspunkt ist 95 % ein äußerst hoher Prozentsatz.

Die große Frage ist darum: Was will er uns sagen? Was will er uns glauben machen? Wenn gesagt wird, dass man dazu übergeht, mit Rom sich lehrmäßig zu unterhalten oder zu diskutieren: Worüber wollen Sie diskutieren? Vielleicht über die verbleibenden 5 %?

Zwei Geschwindigkeiten

Dies alles ist nur ein direkter Beweis für die Parodie, für den Betrug, für die Lüge und die objektiven Falschheit, die in die Welt gesetzt wird, für ein Vorgehen in Etappen mit dem Vortäuschen von Seriosität, während in Wirklichkeit alles viel schneller verkommt und ausartet.

Als ob das noch nicht genügen würde, fragt man sich, was von der Bruderschaft und dem Widerstand gegen den Modernismus bleibt, wenn sie sich diese 95 % des unheilvollen und atypischen, undogmatischen und in sich selbst absurden – gleich einem quadratischen Kreis, einem Dreieck mit nur zwei Seiten oder einer lösbaren katholischen Ehe – II. Vatikanischen Konzils zu Eigen macht, schützt oder annimmt.

Nächstes Mal: Klar häretisch

SANCTE MARCELLE, ORA PRO NOBIS!

Freitag, 24. April 2009

Die Unterredungen beginnen

In der Tat mehren sich die Stimmen, die vor einem „Aufgesaugt werden“ in eine monströse Eine-Welt-Kirche unter Ratzinger’scher Ägide warnen. Ein Kommentar.

Nach Bischof Bernard Tissier de Mallerais wurde die Vorgangsweise für die Unterredungen festgelegt, die zwischen der Priesterbruderschaft Sankt Pius X. und den kirchlichen Autoritäten in Rom stattfinden sollen. Die Diskussionen werden schriftlich vor der Öffentlichkeit verborgen geführt.

Ob das tatsächlich geschieht, um ein „Auftrumpfen der Parteien vor dem Publikum“ zu vermeiden, wie Bischof Richard Williamson auf seinem Blog vermutete, darf bezweifelt werden.

Ein für Menzingen eminent wichtiger Grund, die Verhandlungen geheim zu halten, sind gewiss auch die internen Kritiker, welche einer Einigung mit dem „Rom der neo-modernistischen und neo-protestantischen Tendenz“ – um ein Zitat des Erzbischofs zu bemühen – unverhohlen ablehnend gegenüberstehen.

In der Tat mehren sich die Stimmen, die vor einem „Aufgesaugt werden“ in eine monströse Eine-Welt-Kirche unter Ratzinger’scher Ägide warnen, in der eine der unzähligen Seitenkapellen für die unverbesserlichen und ewiggestrigen Lefebvristen reserviert zu sein scheint, die dann – reguliert und zahnlos – daselbst ihr Dasein fristend keinem Modernisten mehr schädlich werden können.

Um dieses Ziel zu erreichen, nimmt man selbst in Kauf, den überlieferten Messritus pro forma freizugeben, wohl wissend, dass die Umsetzung dessen von sämtlichen Funktionären vom Papst abwärts offen und tatkräftig torpediert wird. Oder können Sie auf Anhieb 10 Motu-Proprio-Messzentren in Ihrer näheren Umgebung nennen, in denen allsonntäglich die „überlieferte Form“ praktiziert wird?

Man nimmt selbst in Kauf, vier Bischöfe zu „rehabilitieren“ – sie bleiben ja sowieso suspendiert – vier Bischöfe, mit denen man so wenig gemeinsam hat, dass man sie lieber auf den Mond schießen würde. Oder können Sie auch nur einen Bischof nennen, der sich mit denen, deren „Exkommunikation“ aufgehoben wurde, solidarisierte?

Man nimmt selbst in Kauf, einer „regulierten“ und neu strukturierten Piusbruderschaft das Recht zugestehen zu müssen, „ernsthafte und konstruktive Kritik an den Entscheidungen des Zweiten Vatikanischen Konzils und deren Umsetzung“ vortragen zu dürfen – wie man es, bekanntlich ohne durchschlagende Wirkung, bereits dem „Institut Bon Pasteur“ zugestand.

Nur: Wenn der Zweck einer Handlung schlecht ist, kann sie auch durch noch so viele scheinbar gute Akzidenzien, die selbst auch erst herbei zu schreiben wären, nicht mehr zum in sich Guten verwandelt werden.

Der Medienaufstand der ersten Februarwochen, den zu verurteilen schon aufgrund der vielen, damals verbreiteten Unwahrheiten niemand zögern dürfte, scheint per accidens auch etwas Gutes gebracht zu haben: Aus Rom sei zu hören, dass der Schwung zu einer Verständigung zwischen Rom und der Bruderschaft durch das Misstrauen gedämpft wurde, das der Medienaufstand bewirkte, so Bischof Williamson.

Er fährt fort: „Objektiv gesprochen besteht das Problem der Diskussionen darin, dass es auf beiden Seiten eine gewisse Zurückhaltung geben könnte, anzuerkennen, dass wir vor einem unversöhnlichen Aufeinanderprallen der Religion Gottes mit der Religion des Menschen stehen. Das Zweite Vatikanum mischte beide zusammen.

Dadurch gab es um eine Hälfte zu viel Religion des Menschen. Nehmen wir einmal an, dass Benedikt XVI. wünscht, das Zweite Vatikanum mit der katholischen Tradition zu kombinieren: Dann gäbe es immer noch um ein Viertel zu viel Menschenreligion. […]

Wie eine winzige Menge Wasser in einem vollen Benzintank genügt, um den Motor eines Wagens zum Stillstand zu bringen, so braucht es nur eine kleine Beimischung von Götzendienst, um die wahre Religion Gottes festfahren zu lassen. Der Herrgott selber sagt uns, dass er ein eifersüchtiger Gott ist, zum Beispiel in Ex 20,5.

Er wird keinen falschen Gott neben sich ertragen. Jedem Mitglied der Piusbruderschaft, das versucht ist, Gott gemeinsam mit den Neomodernisten anzubeten, und jedem Neomodernisten, der dasselbe mit den Katholiken tun möchte, hätte der alttestamentliche Prophet Elija geantwortet wie den zögerlichen Israeliten:

„Wie lange hinket ihr auf beiden Seiten? Ist der Herr Gott, so wandelt ihm nach. Ist es aber Baal, so wandelt ihm nach.“ Dann sagt die Heilige Schrift: „Das Volk antwortete ihm kein Wort“ (3 Könige 18,21). Subjektiv gesprochen, wollten die Israeliten auf zwei Hochzeiten tanzen. Doch objektiv war das unmöglich. Das gleiche gilt für uns.“

SANCTE MARCELLE, ORA PRO NOBIS!

Donnerstag, 23. April 2009

Notizen von P. Claude Barthe FSSPX - Teil 3

Warum von der Priesterbruderschaft St. Pius X. die Akzeptanz dessen verlangen, was sie schon akzeptiert hat?

Im Übrigen wurde bereits alles [an konziliaren Neuerungen] potenziell angenommen. In der Tat hat Erzbischof Lefebvre am 5. Mai 1988 am Beginn eines „Protokolls über ein Einvernehmen“ eine „doktrinale Deklaration“ unterzeichnet, die er nie infrage stellte. In ihr erklärte er, die Lehre der Nummer 25 von „Lumen Gentium“ über die geschuldete Zustimmung zum kirchlichen Lehramt nach seinen verschiedenen Verbindlichkeitsgraden anzunehmen (man verlangte von ihm keineswegs auszusagen, dass diese oder jene Passage des II. Vatikanischen Konzils feierliche oder ordentliche Unfehlbarkeit genießen würde, was durch den Hl. Stuhl noch nie präzisiert wurde). Er erkannte außerdem die Gültigkeit der Liturgie in ihrer neuen Form an, sofern sie nach den vom Hl. Stuhl approbierten Texten zelebriert werde. Schließlich verpflichtete er sich (als dritten der fünf Punkte): „Hinsichtlich gewisser vom Zweiten Vatikanischen Konzil gelehrter Punkte oder gewisser nach dem Konzil erfolgter Reformen der Liturgie und des Kultes, die uns mit der Tradition schwer vereinbar erscheinen, verpflichten wir uns, bei deren Studium und einem Vorbringen beim Heiligen Stuhl eine positive Haltung einzunehmen und jede Polemik zu vermeiden“. Die Verpflichtung basierte auf der „Abwesenheit von Polemik“ und keineswegs auf ein absurdes „Null an Kritik“, welches übrigens nur von den Traditionalisten gefordert wird.

Wenn man das jüngste Interview, das Bischof Fellay am 25. Februar 2009 Rachad Armanios www.lecourrier.ch gewährte, genau liest, ist es nicht so sehr die Anerkennung des Konzils, die Bischof Fellay zurückweist, er bestreitet vielmehr, dass der Hl. Stuhl von ihm diese nicht greifbare „Anerkennung“ gefordert habe. […] Das Problem, das bis zur großzügigen Entscheidung des Papstes mit der Priesterbruderschaft St. Pius X. bestanden hatte, war die Folge der Entscheidung ihres Gründers, die Bischofsweihen für sein Institut vorwegzunehmen und sie ohne päpstliches Mandat durchzuführen, wobei er als Grund einen „Notstand“ nannte. Die externen Gegner hingegen haben spitzfindig das Hindernis einer lehrmäßigen Präambel erneut angehoben und machten sich dadurch zu „objektiven Verbündeten“ sowohl gewisser Elemente als auch gewisser boshafter und gehässiger Gewohnheiten innerhalb dieser Gemeinschaft. In Wirklichkeit handelt es sich um eine Mauer, die einzig und allein errichtet wurde um sofort zu verhindern, dass es zu einer Einheit aller wahren Katholiken und in Zukunft zu einem fruchtbaren Schwung der Theologie in der Beziehung der Kirche zur Welt komme.

Warum sollte man wollen, dass die lebendige Tradition der Kirche angehalten werde, nicht am II. Vatikanum selbst – das wäre an sich schon absurd – sondern an einem bestimmten II. Vatikanum?

P. Claude Barthe FSSPX

SANCTE MARCELLE, ORA PRO NOBIS!

Mittwoch, 22. April 2009

Notizen von P. Claude Barthe FSSPX - Teil 2

Andererseits verändert das Dekret vom 21. Januar, wenn es den Weg der „Gespräche“ über „die noch offenen Fragen“ anspricht, überhaupt nichts. Bei verschiedenen Gelegenheiten haben bereits mit der Priesterbruderschaft St. Pius X. Diskussionen über die aufgeworfenen Schwierigkeiten stattgefunden, unter anderem unter der Ägide des GREC, der „Groupe de Rencontre entre Catholiques“. In einer öffentlichen Versammlung vom 21. Februar 2008 zum Thema: „Revision und/oder Interpretation einiger Stellen des II. Vatikanums?“ hat sich eine Übereinstimmung ergeben, die sich einfach aus dem gesunden Menschenverstand ableiten lässt. Der Vertreter der Priesterbruderschaft St. Pius X. postulierte dabei die Zulässigkeit einer gesunden und konstruktiven Kritik zu den neuen lehrmäßigen Punkten des II. Vatikanums, mit dem Ziel, einer zukünftigen Ausarbeitung von klareren Texten Anregungen zu bieten. Der römische Theologe seinerseits meinte, dass eine Rezeption des II. Vatikanums, die sich stark auf das vorherige Lehramt gründet, ihren Platz in der Kirche haben müsse. Es wäre daher unrealistisch, aus dem Resultat dieser Art von Gesprächen (welches offenbar hauptsächlich das Ziel verfolgt, die Probleme in Angriff zu nehmen – und das nicht nur für die Priesterbruderschaft St. Pius X.) eine Vorbedingung für die kanonische Wiedereingliederung zu machen. Der gesunde Hausverstand – der sich mit dem „sentire cum Ecclesia“ vereint – fordert im Gegenteil, dass die kanonische Wiedereingliederung das Abhalten dieser und anderer Gespräche ermöglicht, die zur theologischen Überlegung beitragen, in den Grenzen, in denen sie nützlicherweise ad intra den Ausdruck eines entschieden traditionellen Gedankens erlauben werden.

Nächstes Mal: Notizen von P. Claude Barthe FSSPX - 3. und letzter Teil

SANCTE MARCELLE, ORA PRO NOBIS!

Montag, 20. April 2009

Notizen von P. Claude Barthe FSSPX

Pater Claude Barthe erklärte, dass die doktrinalen Diskussionen schon innerhalb des Clubs „GREC“ stattfanden. Darum frage er sich, warum von der Bruderschaft nun die Annahme dessen verlangt werde, was sie bereits angenommen hat. Zum Thema des von Erzbischof Lefebvre 1988 unterzeichneten Protokolls schießt Pater Barthe jedoch einen gewaltigen Bock: Wenn dem so wäre wie er sagt, hätte der Erzbischof weder die Bischofsweihen vollzogen, noch die Erklärungen in den Ausgaben von Fideliter der Jahre 1988 und 1989 abgegeben. Hier der Text von P. Barthe:

Das „Nicht-Akzeptieren des Konzils“ von Seiten der Priesterbruderschaft St. Pius X. ist eine Verschleierung

Notizen von P. Claude Barthe FSSPX

Nach der Instrumentalisierung der bedauerlichen „Affäre Williamson“, instrumentalisieren jene, die sich einer Annäherung Roms an die Gemeinschaft Erzbischof Lefebvres entgegenstellen, einige ungeschickte Erklärungen, um sie erneut und für alle Ewigkeit zu Exkommunizieren. Doch ihr Argument ist eine fehlerhafte Konstruktion.

1. Die fundamentale Frage: Welches II. Vatikanum annehmen oder zurückweisen?

Ob man es will oder nicht, die „Annahme des Konzils“ ist zu einem ideologischen Thema geworden, um seit vierzig Jahren die gravierendsten Missbräuche durchgehen zu lassen. Die Ansprache des Papstes an die Kurie vom 22. Dezember 2005 hat erneut daran erinnert, dass es seit dem Konzil zwei konkurrierende Auslegungen desselben gibt: Eine des „Bruches“ und eine der „Kontinuität“. Kurzum: Die erste Auslegung war die von Rahner und Congar, die zweite jene der Nota Preavia, die Paul VI. bei Lumen Gentium anfügte. Die Akte des gegenwärtigen Pontifikates (Summorum Pontificum, Dekret vom 21. Januar 2009) berücksichtigen außerdem eine dritte Auslegung: Jene der Konzilsminderheit, die von der lefebvristischen Opposition fortgesetzt wurde und heute verwandelt und revitalisiert im Umfeld des Papstes eine „Neue Römische Schule“ bildet.
Um an dieser Stelle ein Beispiel zu erwähnen, nenne ich die Nr. 3 von „Unitatis Redintegratio“, die auszusagen scheint, dass die getrennten christlichen Gemeinschaften in sich Heilswege sein können. Es wäre aber ungerecht und ein Paradox, folgendes in ein Verbrechen gegen die Einheit der Kirche zu verwandeln:
a.) das Dafürhalten im Gewissen, dass die Aussagen von „Unitatis Redintegratio“ Nr. 3 nicht als Lehramt der Kirche angenommen werden können;
b.) die Aussage, dass es die katholischen Elemente in den getrennten Gemeinschaften sind, die Instrumente der Einheit im Bekenntnis mit der Kirche Christi darstellen.

Ist es allgemein möglich, zu behaupten, die lebendige Tradition der Kirche im offensichtlich korrekturbedürftigen Zustand von vor 40 Jahren für immer einzufrieren? Müsste man sich von vorneherein davor fürchten, Theologie zu betreiben (und morgen das Lehramt auszuüben), indem man neue Voraussetzungen zulässt und nicht nur die Beiträge des II. Vatikanums, sondern auch Antworten auf die „offenen Fragen“ de Konzils berücksichtigt?

Über diesen Punkt hat es jedenfalls bereits theologische Gespräche mit der Priesterbruderschaft St. Pius X. gegeben.

Nächstes Mal: Notizen von P. Claude Barthe FSSPX - Teil 2

SANCTE MARCELLE, ORA PRO NOBIS!

Freitag, 17. April 2009

Zur Situation der katholischen Tradition

Nach der Medienhetze im Zuge der Aufhebung des Pseudo-Exkommunikationen der vier Bischöfe der Piusbruderschaft und nach dem Brief Papst Benedikts XVI. über die Bruderschaft, der auf die Vorwürfe „mangelnder Kommunikation“ gegenüber den vatikanischen Behörden folgte, ist eine gewisse mediale Ruhe eingekehrt. Die FSSPX-WATCH-Redaktion wird nichtsdestotrotz weiterhin, wenn auch in einem gemächlicheren Rhythmus (so werden wir samstags generell nicht mehr erscheinen), fortfahren über die Priesterbruderschaft St. Pius X. zu berichten. Dabei wird als Linie zu beachten sein, was S.E. Erzbischof Lefebvre vorgab: „Jedes Verhandeln mit der konziliaren Kirche bevor dieses zur Integrität des Glaubens der Väter zurückgefunden hat, wäre eine kindische Illusion.“ Der Brief Papst Benedikts an die Bischöfe bestätigt diese Richtung und setzt sogar noch einen drauf: Er besagt unzweideutig, dass es keinen Willen des Papstes gibt, vom II. Vatikanum und den folgenden Reformen abzugehen, auch wenn diese im offenen Widerspruch zur Tradition und dem Depositum des Glaubens stehen. Ratzinger ist in hartnäckiger und hochmütiger Weise konziliar und hegelianisch – Ausdruck der von ihm in jungen Jahren genossenen Bildung. Er spricht von Hermeneutik der Kontinuität, und versucht, sich widersprechende Propositionen in Einklang zu bringen. Er versucht das für die Logik Unmögliche, das von der gesunden Lehre bestätigte Anathema. Ein Modernist im Denken und in der Praxis. SANCTE MARCELLE, ORA PRO NOBIS!

Mittwoch, 15. April 2009

Quousque tandem ...

Gestern wurde bekannt, dass Bischof Bernard Fellay bereits am 7. April P. Basilio Méramo aus der Priesterbruderschaft St. Pius X. ausgeschlossen hatte. P. Méramo wirkte segensreich im mexikanischen Distrikt und gilt als ein scharfer Kritiker des neuen Kurses der Bruderschaft gegenüber Rom. In diesem Sinne war er publizistisch tätig. So schrieb er den folgenden offenen Brief an Bischof Fellay, den wir hier dokumentieren:

"Exzellenz,

Am 2. März erhielt ich vom Distriktsitz eine zweite Vorladung zur mündlichen Entgegennahme einer zweiten kanonischen Verwarnung. Letztere wurde mir überreicht nachdem ich mich – zumindest in der Form – zu widerrufen geweigert hatte. Außerdem wurde ich aufgefordert mich für mein Schreiben vom 26. Januar 2009 zu entschuldigen ohne dass zuvor dessen Inhalt geprüft würde.
In Anbetracht des Vorgefallenen bitte ich Sie um Kenntnisnahme, dass
1. Die Art und Weise wie Sie die Piusbruderschaft vor die Füße des apostatischen Roms werfen – diese Bezeichnung ist dem Wortschatz des Erzbischof entnommen – ist deswegen schwerwiegend, weil damit der heroische Widerstand des Erzbischofs und Bischofs Castro Mayer im Kampf gegen den Modernismus und die Selbstzerstörung der Kirche zum erlahmen gebracht und der gleiche Prozess der Selbstzerstörung in der Piusbruderschaft hineingetragen wurde.
2. Sie haben mit ihrem neuen Gesuch Rom um Rücknahme der über die vier vom Erzbischof geweihten Bischöfe verhängten Exkommunikation und ihrer Zustimmung zu der dann auch erfolgten Rücknahme wenigstens die Gültigkeit der Exkommunikation anerkannt. Dies geht aus dem von Kardinal Giovanni Battista Re unterzeichneten Dekret der Kongregation für die Bischöfe eindeutig hervor und dies obschon Erzbischof Lefebvre und Piusbruderschaft sie stets für null und nichtig gehalten haben. Die Tradition lässt sich nämlich niemals exkommunizieren. Damit ist ihre Straftat erwiesen. Sie haben sich auf das Spiel des ehebrecherischen Roms eingelassen, während Letzteres dem ökumenischen Geist von Vatikanum II die Treue hält.
3. Ihre Kapitulation versuchen Sie dadurch zu verbergen, dass sie sich auf das Spiel des modernistischen Roms einlassen. Dadurch dass sie die Freigiebigkeit, die väterliche Güte und den Mut Benedikt XVI über alle Maße loben, geraten Sie so weit in seine Maschen, dass sie sich mit den Tatsachen abfinden. Bald werden Sie ihn, dessen Geist in Wirklichkeit von der Dialektik und vom tief in der Gnosis verwurzelten modernen Denken vollständig verunstaltet ist, geradezu zum Traditionalisten abzustempeln.
4. Mit Ihrer Werbung für eine friedliche Koexistenz bringen Sie bewusst oder unbewusst den entschlossenen und kämpferischen Widerstand gegen das protestantisierende Rom zum Stillstand. Damit hoffen Sie einen Altar mit der tridentinischen Messe im ökumenischen Pantheon der falschen Religionen zu erhalten. Auch geben Sie sich damit zufrieden, dass der katholischen Messe das Existenzrecht zugebilligt wird während die Neue Messe als ordentlicher Ritus beibehalten werden soll und beide für rechtmäßige und gültige Riten gehalten werden müssen. Eine zum Himmel schreiende Farce und Impostur von Ihnen.
5. Mit ihrer Autorität und Macht versuchen Sie jegliche Anfechtung und jeglichen rechtmäßigen Widerstand gegen Ihr unüberlegtes Vorgehen im Keime ersticken. Damit zerstören Sie das Werk Erzbischofs Lefebvre.
6. Sie glauben weder an ein Komplott gegen die Kirche noch an eine von Angehörigen der Kirche (Päpste, Kardinäle) in voller Übereinstimmung mit dem Modernismus und dem zweiten vatikanischen Konzil ins Leben gerufene antichristliche Revolution. Das Konzil selbst anerkennen Sie zu 95 % und wollen gemäß Ihrem Schreiben an die Gläubigen vom 24. Januar 2009 lediglich keine falsche Auslegung zulassen und dementsprechend gewisse Vorbehalte anbringen.
7. Sie halten mich, einen einfachen und mittellosen Priester, der Ihnen offen sagt, was er denkt, für Jemanden, der im Begriffe steht eine "Verschwörung gegen die Piusbruderschaft" zu schmieden. Dagegen will ich Sie lediglich auf die schlimme Lage aufmerksam machen, in die Sie die Piusbruderschaft gestürzt haben.
8. Sie versuchen in völliger Verkennung der geschichtlichen Fakten und ihrer theologischen Auslegung, die allein für das Verständnis der Glaubenskrise maßgebend sein kann, den Verlauf der Krise – die Revolution im Inneren der Kirche – umzukehren. Selbst ein heiliger Papst wie der heilige Pius X wäre angesichts der überall um sich greifenden Fäulnis heute kaum in der Lage, das durch diese Krise angerichtete Übel zu beseitigen. Ein derartiges Übel wird man daher nicht mit Gesprächen, auch nicht mit theologischen, beseitigen. Letztlich steht nichts Anderes als der Glaube auf dem Spiel und dieser fordert uns zu einem unbedingten Ja heraus. Alles Übrige ist des Teufels.
9. Die Aufhebung der Exkommunikation haben Sie mit großer Freude entgegengenommen und die Großherzigkeit, die väterliche Haltung sowie den Mut Benedikt XVI hoch gepriesen. Sie sind sogar so weit gegangen und haben Abbé de Cacqueray angewiesen, seine Unterschrift unter ein von verschiedenen Gläubigen auf Veranlassung einiger Ihrer Priester verfasstes Schreiben an Benedikt XVI zu setzen. Sie wollen darin ein durch die Vermittlung der allerseligsten Jungfrau erhaltenes Geschenk des Himmels sehen. In Wirklichkeit hat am 11. Februar mit dem Tod dreier Seminaristen und der Verletzung eines vierten Seminaristen ein Unglück auf Ecône eingeschlagen. Etwas nie Dagewesenes und ausgerechnet am Fest unserer lieben Frau von Lourdes als ob es sich um reinen Zufall handeln könnte. Der Rosenkranzfeldzug wurde während der internationalen Wallfahrt nach Lourdes angeordnet. Wie durch Zufall war es auch der Tag an welchem ich meine erste Verwarnung unter Androhung des Ausschlusses erhalten habe. Ich glaube ehrlich gesagt und vor Gott dem Allmächtigen, Monseigneur, dass Sie, obschon Sie es behaupten, weder im Besitz des himmlischen Beistandes noch jenes der allerseligsten Jungfrau Maria sind, sondern ganz im Gegenteil… Sie sind sich nicht bewusst, dass Sie mit Ihrem Einsatz und Ihrem Eifer für das modernistische Rom zu weit gegangen sind.
10. Für Sie ist die Exkommunikation nicht mehr eine Ehre und ein Zeichen der Rechtgläubigkeit gegenüber der Konzilskirche, so wie sie es für den Erzbischof war, sondern eine Herausforderung, eine entehrende Bezeichnung und eine Narbe. Sie unterscheiden nicht mehr, wie es der Erzbischof tat, zwischen offizieller und sichtbarer Kirche. Sie geben sich vertrauensvoll während der Erzbischof immer misstrauischer wurde. Sie halten Ihre Gesprächspartner für Männer von Ehre während deren Gesinnung von Unredlichkeit ist… Sie schreiben ihnen eine väterliche und großzügige Gesinnung zu, während der Erzbischof in ihnen einen ehebrecherischen Geist erkannte.
Angesichts dessen bleibt auch Ihre zweite Verwarnung ohne Wirkung, wertlos und ohne Grundlage wie es die erste war. Ihre zweite heimlich und mündlich vorgebrachte Verwarnung kann meinen Ausschluss deshalb nicht anordnen, weil sie jegliche rechtliche Grundlage vermissen lässt. Es steht nämlich eine theologisch-religiöse und nicht eine rechtlich-disziplinäre Sache (Ungehorsam, Aufwiegelung, Stolz, Protagonismus) auf dem Spiel. Sie wollen jedoch die öffentliche Kundgabe ihres Irrtums und Ihres Betrugs an der Wahrheit im Keime ersticken. Heute wird einem jeden bewusst, wohin ihre Erklärung, „wenn der Papst pfeift, dann komme ich geeilt“ führt. Heute erleben wir die logische Folge des Marschplanes, den sie im Jahre 2001 nach dem berühmten Jubiläumsjahr 2000 festgelegt haben. Vielleicht sind Sie nicht völlig daran schuld, denn – wegen ihrer Wahl – tun sie nichts anderes als die von Pater Schmidberger, ihrem Vorgänger und Freund des seinerzeitigen Kardinal Ratzinger und heutigen Benedikt XVI, festgelegte Linie weiterzuverfolgen. Schon zu seinen Lebzeiten wurde der Erzbischof von seinem Vorgänger von den Gesprächen mit Kardinal Ratzinger ferngehalten. Ich lüge nicht, wenn ich erkläre, dass der Erzbischof als ich noch als junger Seminarist mit der Frage über die Beziehungen zum modernistischen Rom an ihn herantrat, mir zur Antwort gab: „Was wollen Sie, seit mehr als einem Jahr werde ich nicht mehr auf dem Laufenden gehalten. Jedes Mal wenn Pater Schmidberger nach Rom fährt, trifft er Kardinal Ratzinger und unter sich unterhalten sie sich in Deutsch und ich weiß nicht wovon sie sprechen“. Sollte ich lügen, dann soll es Pater Schmidberger in aller Öffentlichkeit erklären. So wurde das Komplott bereits zu Lebezeiten des Erzbischofs geschmiedet und heute ernten wir seine Früchte. Wie die Zerstörung der Kirche durch die eigene Hierarchie erfolgte, so erleben wir heute, wie die eigene Hierarchie den Verfall der Piusbruderschaft einleitet. Zwar lassen sich die Folgen noch nicht feststellen, denn die Piusbruderschaft gleicht einem Tanker, dessen Turbinen ausgefallen sind und der aufgrund der eigenen Schwerkraft erst nach vielen Kilometern zum Stillstand kommen wird.
Ich habe deshalb nicht geschwiegen, weil ich damit den Erzbischof, die Kirche und die Wahrheit verraten hätte. Wenigstens ein Mitglied der Piusbruderschaft muss die Dinge so nennen wie sie in Wirklichkeit sind. Dies ohne Vorspiegelung falscher Tatsachen, ohne durch ein Gesetz des Schweigens und unter der Last eines falsch verstandenen Gehorsams von der Obrigkeit erstickt zu werden.
Unentwegt kommen mir die Worte des Erzbischofs in Erinnerung. Als er im Begriffe war, sich einem Verhör zu unterziehen um sich gegen die vom modernistischen Rom gegen ihn vorgebrachte Anklage wegen Anmaßung, Aufwiegelung, Stolz und Schisma zu verteidigen erklärte er: „Ich, der Angeklagte, sollte über euch Gericht halten.“

Möge Gott Sie erleuchten
P. Basilio Méramo FSSPX
Orizaba, am 9. März 2009.

Wie anlässlich meines ersten Schreibens, so habe ich mich auch dieses Mal für dessen Veröffentlichung entschlossen. Damit möchte ich einem mittels einer kanonischen Vorwarnung erfolgten Ausschluss aus der Piusbruderschaft vorgreifen. Die Gläubigen in den vielen Ländern, wo ich mein Hirtenamt ausgeübt habe, haben ein Recht die Wahrheit zu erfahren. Die Dinge müssen klar und durchsichtig sein. Es ist nicht zulässig, einen seit fünfundzwanzig Jahren der Gemeinschaft angehörenden Priester ungerechterweise gleichsam durch die Hintertür und ungestraft auszuschließen. Will man mich ausschließen, dann sollen die Gläubigen wissen, dass diese Maßnahme gegen mich wegen meiner Missbilligung des unheilvollen Vorgehens, und der jeden Widerstand außer Kraft setzenden verschleierten Kapitulation gegenüber einem pervertierten und korrumpierten Rom geschehen ist, wobei letztere der großen Prostituierten aus der Offenbarung nicht unähnlich ist."

SANCTE MARCELLE, ORA PRO NOBIS!

Dienstag, 14. April 2009

Das Räuberunwesen auf dem II. Vatikanum

So lautet die Überschrift eines Kapitels im Buch „Sie haben Ihn entthront“ von Erzbischof Lefebvre. Hier sind einige Passagen daraus zur Betrachtung für die heutige Zeit.

Die Revolution in Tiara und Chorrock

„Auf jeden Fall ist eine Überlegung eines alten Freundes von Kardinal Roncalli, dem künftigen Johannes XXIII., für dieses Thema erhellend: Bei der Nachricht vom Tod Pius’ XII. vertraute der alte Dom Lambert Beauduin, ein Freund Roncallis, P. Bouyer an: «Wenn sie Roncalli wählen, ist alles gerettet: Er wäre fähig ein Konzil einzuberufen und dem Ökumenismus die kirchliche Weihe zu geben.» Dom Lambert Beauduin kannte Kardinal Roncalli gut; er wusste bereits 1958, dass Roncalli, Papst geworden, den Ökumenismus verwirklichen würde und dies – eine sich sehr wohl anbietende Möglichkeit – durch ein Konzil. Wer nun aber Ökumenismus sagt, sagt Religionsfreiheit und Liberalismus. Die «Revolution in Tiara und Chorrock» war nicht improvisiert. (S. 160)

Die revolutionäre Taktik auf dem Konzil

„Behauptung eines Irrtums oder einer Zweideutigkeit oder einer gefährlichen Orientierung, unmittelbar danach oder davor Behauptung im Gegensinn, dazu bestimmt, die konservativen Konzilsväter in Sicherheit zu wiegen.“ (S. 170)

Zwei Beispiele:

1. Das Latein: „So war es bei der Konstitution über die Liturgie Sacrosanctum Concilium: Indem sie in Nr. 36 § 2 schrieben: «Ein größerer Raum wird der Volkssprache gewährt werden können» und den Bischofskonferenzen die Entscheidung anvertrauten, ob sie die Volkssprache übernehmen wollten oder nicht (vgl. Nr. 36 § 3), öffneten die Verfasser des Textes Tür und Tor für die Abschaffung des Lateins in der Liturgie. Um diese Forderung abzuschwächen, trugen sie Sorge, davor in Nr. 36 § 1 zu schreiben: «Der Gebrauch der lateinischen Sprache soll, unbeschadet speziellen Rechtes, in den lateinischen Riten erhalten bleiben.» Durch diese Behauptung sicher gemacht, schluckten die Väter ohne Probleme die beiden anderen.“ (S. 170)

2. Die Religionsfreiheit: „Ebenso ließ in der Erklärung über die Religionsfreiheit Dignitatis Humanae, deren letztes Schema von zahlreichen Vätern zurückgewiesen worden war, Paul VI. selbst einen Paragraphen anfügen, der im Wesentlichen folgendes besagte: «Diese Erklärung enthält nichts, was der Tradition entgegen ist.» Aber alles, was darin steht, ist der Tradition entgegen! Nun wird jemand sagen: «Aber lesen Sie doch! Da steht geschrieben: Es steht darin nichts, was der Tradition entgegen ist!» – Jawohl, das steht geschrieben… Aber es hindert nicht, dass alles der Tradition entgegen ist! Und dieser Satz wurde in letzter Minute durch den Papst angefügt, um die zu zwingen – speziell die spanischen Bischöfe –, die in Opposition zu diesem Schema standen. Es ist leicht, nachträglich eine Etikette, ein Unbedenklichkeitspapier darauf zu kleben! Ein unglaubliches Vorgehen!“ (S. 170)

Konklusion: Eine katholische Lesart des II. Vatikanums „ist praktisch unmöglich“

„Ich muss gestehen, dass es und nicht gelungen ist, das Konzil von dem liberalen und modernistischen Geist zu reinigen, der den größten Teil der Schemata durchtränkte. Die Verfasser waren nämlich ausgerechnet die von diesem Geist angesteckten Experten und Väter. Was wollen sie – wenn ein Dokument zur Gänze in einem falschen Geist verfasst ist, ist es praktisch unmöglich, es von diesem Geist zu reinigen; man müsste es vollständig neu schreiben, um ihm einen katholischen Geist zu verleihen.“ (S. 168) SANCTE MARCELLE, ORA PRO NOBIS!

Freitag, 27. März 2009

Interview mit Bischof Fellay: Der Dialog geht weiter

„Wir müssen die Schwierigkeiten berücksichtigen, aber wir bereiten uns ernsthaft vor: Wenn man für das Wohl der Kirche arbeitet, machen die Schwierigkeiten nicht Angst.“ Bischof Bernard Fellay, der Nachfolger von Erzbischof Marcel Lefebvre, hat Vertrauen in den Erfolg des Dialogs mit dem Heiligen Stuhl. Dieser solle die Wiederherstellung der vollen Gemeinschaft mit der Priesterbruderschaft St. Pius X. bewirken. Das sagte der Prälat in einem Exklusivinterview mit der Tageszeitung „Il Foglio“ vom 22. März, im dem er offenbar über die Interpretation des Zweiten Vatikanischen Konzils im Licht des Lehramtes der Kirche aller Zeiten mit Papst Benedikt XVI. übereinstimmt. Dieser hatte in seiner Rede an die Römische Kurie vom 22. Dezember 2005 ebendiese Interpretation gefordert. „Das Konzil im Licht der Tradition zu lesen bedeutet, dass das Licht, das – wie ein Filter – den nachkonziliaren Lehren den wahren Sinn geben wird, immer das Depositum der Offenbarung sein wird“, erklärte Fellay.Das Instrument um Klarheit zu schaffen ist das beständige und konstante Lehramt des Papstes, dem Gott den Auftrag übergeben hat, den Glauben zu erhalten und zu übermitteln.“ Weiters wies der Generalobere auf die „ontologische Verbindung“ zwischen dem Papst und der Tradition hin und erinnerte an die Definition der Tradition des Hl. Vinzenz von Lérins: „das, was immer, überall und von allen glaubte wurde“. Fellay zeigt auch, dass er ebenfalls die Sorgen des Papstes über die Situation der Priester teilt, die diesen dazu veranlassten, ein besonderes „Jahr der Priester“ anzukündigen: „Wenn der Priester in einer Krise ist, werden auch die Gnaden, die er den Menschen durch sein Amt übermitteln soll, nicht mehr fließen oder jedenfalls schwächer fließen. Darum braucht es eine „Reform“ des Priestertums, eine Rückkehr zum Sinn für die Berufung und für die Heiligkeit in all seinen Formen. Der Priester ist ein alter Christus, nicht weniger.“ Fellay zufolge ist der Papst als oberster Hirte und Bewahrer der Tradition der Kirche kontinuierliches Ziel von Angriffen, die genau aus diesem Grund aus der progressistischen Welt kommen, einer Welt, die mit dem modernen und liberalen Geist verbündet zu sein scheint. Und aus diesem Bündnis ergeben sich für Bischof Fellay alle Probleme, während die nicht autorisierten Bischofsweihen, für die sich Lefebvre unter historischen Umständen entschieden hat, erforderlich waren. Diese Umstände zeigen auch, dass „das weder ein Akt der Rebellion gegen den Heiligen Stuhl war, noch der Versuch, eine Parallelhierarchie einzusetzen“. „Während des Konzils standen sich in der Tat zwei Gruppen gegenüber: eine traditionelle, vertreten vor allem durch die römische Kurie, und eine progressive. Und in jenem Moment war es die letztere, die gewann.“

Unser Kommentar: In seinem „Katholischen Katechismus zur kirchlichen Krise“ schreibt P. Matthias Gaudron: „Man kann die Texte des 2. Vatikanischen Konzils in drei Gruppen einteilen: Eine Reihe von ihnen kann man ohne weiteres akzeptieren, da sie mit der katholischen Lehre konform sind […]. Andere Texte sind zweideutig […]. Den zweideutigen Texten kann man zustimmen, wenn sie […] „im Lichte der Tradition“ gedeutet werden. Die dritte Gruppe von Texten müsste aber erst umgearbeitet werden, bevor man ihnen die Zustimmung leisten könnte.“ (S.47; Hervorhebung von uns)

Warum verschweigen Sie, Exzellenz, diese Notwenigkeit einer Revision von Textpassagen des Konzils in zahlreichen Interviews, wie dem oben zitierten, so geflissentlich? Sie wissen, dass in der FSSPX Unruhe herrscht über diese offenkundige Diplomatie auf Kosten der Wahrheit. Durch derartige aalglatte Antworten gießen Sie Öl in das Feuer jener, die den „neuen Kurs“ der Bruderschaft gegenüber Rom ablehnen und mit wesentlich schärferer Munition in Richtung Menzingen schießen. SANCTE MARCELLE, ORA PRO NOBIS!